Rezension: Automaton

Die Position der Fallkerbsohle wird die Sturzrichtung des Baums bestimmen“

Automaton

Autorin: Glanz, Berit
Titel: Automaton
Untertitel: –
Auflage:
Verlag: Berlin / München, Berlin Verlag in der Piper Verlag GmbH
Jahr: 2022
Abbildungen / Seiten: 287 S.
Format / Einband: 8°, Hardcover mit Schutzumschlag
Genre: Roman
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Worum geht’s?

Tiff hat eine Angststörung und kann deshalb ihre Wohnung kaum verlassen. Um für sich und ihren kleinen Sohn wenigstens etwas Geld zu verdienen, arbeitet sie bei „Automa“. Sie ist ein „Autobot“ und erledigt von Zuhause, meist langweilige, PC-arbeiten. Beispielsweise muss Tiff Bildern eine kurze Beschreibung zuordnen, Gedichte bewerten oder endlose Überwachungsvideos von Firmengeländen ansehen. Wobei der letzte Job von der Bezahlung her recht lukrativ ist. Bis Tiff in den Videos etwas beobachtet, dass sie stutzig macht.

Stella hat in ihrer Jugend auf einer Marihuana-Plantage gearbeitet und dort viele interessante Leute kennengelernt. Viele Jahre später kümmert sie sich in einer Suppenküche um Obdachlose. Dort trifft sie auch einen alten Bekannten von den Plantagen wieder. Bei Stella scheint alles in Ordnung zu sein, bis sie einen Anruf erhält, der sie in Sorge versetzt…

Besondere Kapitelbenennung

Vermutlich ist das größte Rätsel dieses Buches die Kapitelbenennung. Denn Tiffs Kapitel haben allesamt lateinische Namen. Beziehungsweise tragen sie die lateinischen Bezeichnungen verschiedener Tiere, Insekten und Pflanzen. Und wenn man nun selbst ein guter „Autobot“ ist, schafft man es auch den lateinischen Begriff im Text wieder zu finden (dieses Mal jedoch im Deutschen), meist in einem kleinen Nebensatz erwähnt. Eine nette Spielerei, die den Leser zu mehr Interaktion und genauerem Lesen animiert. Oder steckt doch mehr dahinter?

Verwirrender Klappentext

Der Klappentext des Buches sagt aus, dass Tiff ein Verbrechen in einem ihrer Videos beobachtet. Im Nachhinein finde ich diesen Text doch sehr irreführend. Es lässt einem im ersten Moment an einen Krimi denken. Aber Achtung: Dieses Buch ist kein Krimi, sondern ein Roman. Und Tiff beobachtet kein Verbrechen im Video. Es geht eher darum, was Tiff NICHT sieht.

ACHTUNG SPOILER: Tiff beobachtet lediglich, dass eine Person, die sie immer wieder auf den Überwachungsvideos sieht, nicht mehr auftaucht. Nun beginnt sie sich Sorgen zu machen und versucht die Person zu finden, die sich jedoch am anderen Ende der Welt aufhält.

Interessante Themen

„Automaton“ spricht viele interessante Themengebiete an. Darunter vor allem die „Clickworker“-Arbeit. Aber auch die daraus resultierenden Angststörungen werden thematisiert. Weiterhin geht es um Obdachlosigkeit, um die Versuche einer jungen Mutter ihrem Kind ein gutes Leben bieten zu können. Aber auch geht es um Natur, Pflanzen und Tiere.

Ein Manko hierbei ist jedoch, dass die Themengebiete zwar alle angeschnitten werden, jedoch auf keines wirklich näher eingegangen wird. Oft habe ich mir mehr Informationen gewünscht. Beispielsweise über die Firma „Automaton“ oder Tiffs Angststörung.

Doch stattdessen…

…wurden immer wieder Themen behandelt, die meiner Meinung nach überhaupt nicht Story-relevant waren. So gab es zum Beispiel ein ganzes Kapitel, das sich mit der Herstellung von Pralinen befasste. Für die Story hatte das jedoch überhaupt keinen Mehrwert. Diese Textstellen kamen mir sinnlos eingeworfen und ohne jede Logik vor. Ich persönlich bin von so etwas einfach kein Fan.

Stellas Geschichte

Anfangs konnte ich die Kapitel von Stella überhaupt nicht einordnen. Auch wurde bei ihr immer wieder die Zeit gewechselt. Das passierte so fließend, dass ich zu Beginn nicht ganz mit kam. Es dauerte eine Weile bis ich begriff, dass es sich einerseits um die Erzählung von Stellas Jugend auf der Marihuana-Plantage und andererseits um Stellas Leben als ältere Dame in der Suppenküche handelte. Ihr Alter wurde nicht wirklich thematisiert, weshalb man sich die zeitliche Einordnung anhand kleiner Hinweise erarbeiten muss.

Es dauerte auch eine Weile, bis ich begriff wie Stellas und Tiffs Wege sich eines Tages kreuzen würden.

Sprachliches

Sehr ungewöhnlich finde ich die Wahl des Präsens als Zeitform, da Romane doch meist im Präteritum geschrieben sind. Doch auch mit der ungewohnten Zeitform war der Roman leicht und schnell zu lesen. Die Kapitel sind kurz und sprachlich nicht allzu kompliziert.

Fazit

Ein netter Roman für zwischendurch. Leicht zu lesen und doch mit einem ungewöhnlichen Thema. Man sollte jedoch keinen Krimi erwarten! Und mit einem tollen Coverdesign, durch das ich persönlich mich sehr angezogen gefühlt habe. Immerhin habe ich sogar ein eigenes Kapitel bekommen 😀 (Vanessa cardui = Distelfalter).

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